Den eigenen Marktwert ermitteln heißt herauszufinden, was Arbeitgeber aktuell für deine konkrete Erfahrung, Rolle und Branche zahlen würden, unabhängig davon, was du gerade verdienst. Das Ergebnis ist keine einzelne Zahl, sondern eine Spanne. Gerade nach vielen Jahren im selben Unternehmen weicht sie oft deutlich vom aktuellen Gehalt ab, meist nach oben.

Warum langjährige Betriebszugehörigkeit den Blick verzerrt

Interne Gehaltsstrukturen entwickeln sich meist langsamer als der externe Arbeitsmarkt. Jährliche Anpassungen liegen oft unter dem, was ein Wechsel am Markt einbringen würde. Wer über viele Jahre im selben Unternehmen bleibt, verpasst diese Sprünge schrittweise, ohne es direkt zu bemerken, weil sich das eigene Gehalt ja trotzdem jedes Jahr etwas erhöht.

Das Ergebnis: Der Vergleichsmaßstab verschiebt sich Richtung „mehr als letztes Jahr“ statt Richtung „was der Markt aktuell zahlt“. Beide Fragen haben unterschiedliche Antworten. Wer nur die erste stellt, merkt die Lücke oft erst, wenn ein Angebot von außen kommt.

Die wichtigsten Quellen im Vergleich

Keine Quelle ist für sich allein genau genug. Ihre Stärke liegt in der Kombination. So ordnest du sie ein:

QuelleWas sie zeigtGrenze
Entgeltatlas der Bundesagentur für ArbeitMittleres Bruttomonatsentgelt (Median) von Vollzeitbeschäftigten nach Beruf, filterbar nach Region, Alter, Geschlecht und BrancheBeruf statt konkrete Stelle, Stichtagsdaten, keine Aussage zu Verantwortung
Stellenanzeigen mit GehaltsangabeWas Arbeitgeber für eine ähnliche Stelle gerade bietenNoch nicht in jeder Anzeige, Spannen oft weit
GehaltsportaleSchnelle Orientierung nach Beruf und RegionFreiwillige Angaben, Qualität schwankt
TarifvertragFeste Entgeltgruppen, wenn dein Arbeitgeber tarifgebunden istGilt nur innerhalb der Tarifbindung, außertarifliche Stellen fehlen
Auskunft nach dem EntgelttransparenzgesetzEntgelt einer vergleichbaren Tätigkeit im eigenen BetriebNur in Betrieben mit in der Regel mehr als 200 Beschäftigten
Gespräch mit PersonalberaternEinordnung deiner konkreten Erfahrung gegen die aktuelle NachfrageAbhängig von Erfahrung und Branchenkenntnis der Person

Ein Tipp zum Entgeltatlas: Er zeigt den Median, also den Wert in der Mitte. Die Hälfte der Beschäftigten im Beruf verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Mit viel Erfahrung, Spezialwissen oder Führungsverantwortung liegst du eher in der oberen Hälfte.

Marktwert persönlich einordnen lassen. Im Karriere-Schritt-Call (197 €, 45 Minuten mit einem erfahrenen Headhunter) bekommst du einen Marktwert-Kompass und eine realistische Einordnung am Arbeitsmarkt.

Termin ansehen

Was deinen Marktwert beeinflusst

Durchschnittswerte werden erst brauchbar, wenn du sie auf deine Situation umrechnest. Diese Faktoren verschieben deinen Marktwert am stärksten:

FaktorTendenz
BrancheIndustrie, Energie und Chemie zahlen oft anders als Handel oder Dienstleistung
UnternehmensgrößeGrößere Unternehmen zahlen häufig mehr, kleinere bieten oft mehr Gestaltungsraum
RegionBallungsräume und der Süden liegen oft über ländlichen Regionen
VerantwortungBudget, Personal und Kundenverantwortung heben den Wert deutlich
SpezialwissenSeltene Kenntnisse, gefragte Technologien und Zertifikate wirken stärker als Jahre
TarifbindungKlare Stufen, dafür weniger individueller Spielraum

Die Tendenzen stammen aus der Beratungspraxis und gelten nicht für jede einzelne Stelle. Sie helfen dir, einen Durchschnittswert bewusst nach oben oder unten zu korrigieren, statt ihn ungeprüft zu übernehmen.

Sonderfall Quereinstieg, Wiedereinstieg und Führungsrolle

Wechselst du die Branche, zählt nicht jedes Jahr Erfahrung gleich viel. Entscheidend ist, welche Fähigkeiten im neuen Umfeld direkt nutzbar sind. Kehrst du nach einer Pause zurück, etwa nach der Elternzeit, orientierst du dich am Marktwert deiner letzten Rolle und nicht an einem Abschlag, den dir niemand verlangt hat. Und gehst du in die erste Führungsrolle, verändert sich der Vergleichsmaßstab: Dann zählen Gehälter für Teamleitungen, nicht für Fachkräfte. Wie du in diesem Fall verhandelst, steht in Gehalt bei der ersten Führungsposition verhandeln.

In fünf Schritten zu deiner Spanne

1 Rolle 2 Daten 3 Faktoren 4 Spanne 5 Gegencheck Aufgaben und Verantwortung mindestens drei Quellen Region, Größe, Branche, Tarif unten, Ziel, oben mit jemandem mit Markteinblick Ergebnis: eine begründete Spanne statt einer Zahl aus dem Bauch
In fünf Schritten zur eigenen Gehaltsspanne. Entscheidend ist Schritt 3: Durchschnittswerte passen erst, wenn du sie auf deine Situation umrechnest.
  1. Rolle beschreiben. Notiere nicht deinen Titel, sondern was du tatsächlich tust: Aufgaben, Verantwortung, Budget, Team, Kunden.
  2. Daten sammeln. Nutze mindestens drei Quellen aus der Tabelle oben, darunter den Entgeltatlas und echte Stellenanzeigen.
  3. Faktoren gewichten. Korrigiere die Werte für Region, Unternehmensgröße, Branche und deine besondere Erfahrung.
  4. Spanne bilden. Lege eine Untergrenze, ein Ziel und eine obere Grenze fest. Die Untergrenze ist dein echtes Minimum, keine Zahl, mit der du unzufrieden wärst.
  5. Gegencheck. Spiegel die Spanne mit jemandem, der den Markt kennt. Weicht sie stark ab, frag nach dem Grund, statt sie sofort zu ändern.

Ein Musterbeispiel: Ein Konstrukteur mit zehn Jahren Erfahrung im Sondermaschinenbau sieht im Entgeltatlas den Median seines Berufs in seiner Region. Weil er Projekte mit eigenem Budget leitet und ein gefragtes CAD-System beherrscht, setzt er seine Zielzahl bewusst über dem Median an und prüft sie gegen drei aktuelle Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe. Die Zahlen sind hier bewusst offen gelassen, weil sie je nach Region und Jahr stark schwanken.

Typische Fehleinschätzungen

Zwei Muster begegnen uns in der Beratung immer wieder. Das eine: Langjährige Fach- und Führungskräfte unterschätzen ihren Wert, weil sie ihre Erfahrung an internen Maßstäben messen statt am externen Markt. Das andere: Wer selten wechselt, überschätzt manchmal den Wert einzelner Titel, ohne zu wissen, wie diese Rolle bei anderen Arbeitgebern bezahlt wird.

  • Nur eine Quelle nutzen. Ein Portalwert allein ist kein Marktwert.
  • Brutto und netto mischen. Vergleiche immer Bruttowerte, am besten als Jahresgehalt.
  • Monats- und Jahreswerte verwechseln. Der Entgeltatlas zeigt Monatswerte, Angebote nennen meist das Jahr.
  • Nebenleistungen vergessen. Bonus, Firmenwagen oder Altersvorsorge gehören zum Gesamtbild.

Was du mit deinem Marktwert machst

Ein realistischer Marktwert lohnt sich nicht nur beim aktiven Wechsel. Du brauchst ihn an mehreren Stellen:

Ein regelmäßiger Check, auch ohne akute Wechselabsicht, verhindert, dass sich die Lücke zwischen Gehalt und Markt über Jahre unbemerkt vergrößert.

Dein nächster Gehaltsschritt mit Plan. Die Gehaltssprung-Strategie: 3 Videos zur Vorbereitung und ein persönlicher 1:1-Call mit Oliver Grytzmann für deinen nächsten Gehaltsschritt, für 197 €.

Gehaltssprung-Strategie ansehen

Häufige Fragen zum Marktwert

Was bedeutet Marktwert überhaupt?

Der Marktwert beschreibt, was Arbeitgeber aktuell bereit sind, für deine konkrete Erfahrung, Rolle und Branche zu zahlen. Er unterscheidet sich oft deutlich von deinem aktuellen Gehalt, besonders nach vielen Jahren im selben Unternehmen.

Wie ermittle ich meinen Marktwert kostenlos?

Kombiniere mehrere kostenlose Quellen: den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, aktuelle Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben, Gehaltsportale und, falls du tarifgebunden arbeitest, die Entgelttabellen deines Tarifvertrags. Aus den Werten bildest du eine Spanne statt einer einzelnen Zahl.

Warum weicht mein aktuelles Gehalt oft vom Marktwert ab?

Interne Gehaltsstrukturen entwickeln sich meist langsamer als der externe Arbeitsmarkt. Wer lange im selben Unternehmen bleibt, verpasst häufig die Sprünge, die mit einem Wechsel verbunden wären.

Reicht ein Blick auf Gehaltsvergleichsportale?

Als erste Orientierung ja, als alleinige Grundlage nicht. Solche Portale liefern Durchschnittswerte aus freiwilligen Angaben, die selten deine Kombination aus Erfahrung, Branche, Unternehmensgröße und Region abbilden.

Was ist der Unterschied zwischen Median und Durchschnitt?

Der Median teilt alle Gehälter in zwei gleich große Hälften: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger. Der Durchschnitt wird von einzelnen sehr hohen Gehältern nach oben gezogen. Der Entgeltatlas arbeitet deshalb mit dem Median, der für die meisten Vergleiche aussagekräftiger ist.

Kann ich meinen Arbeitgeber fragen, was Kollegen verdienen?

In Betrieben mit in der Regel mehr als 200 Beschäftigten beim selben Arbeitgeber hast du nach dem Entgelttransparenzgesetz einen Auskunftsanspruch über das Entgelt einer vergleichbaren Tätigkeit. Die Anfrage stellst du in Textform, erneut meist erst nach zwei Jahren. Das ist keine Rechtsberatung.

Wie oft sollte ich meinen Marktwert überprüfen?

Ein Check alle ein bis zwei Jahre ist sinnvoll, auch ohne akute Wechselabsicht. So merkst du frühzeitig, wenn sich eine Lücke zwischen deinem Gehalt und dem Markt aufbaut.

Quellen

Keine Jobgarantie oder Gehaltszusage. Ergebnisse hängen von deiner Umsetzung und dem jeweiligen Arbeitgeber ab. Autor: Rolf Bleisteiner (Mr. Lebenslauf), Inhaber expert-careers (Personalberatung für Maschinenbau und industrielle Spitzentechnologie seit 2018) und Mitinhaber expert-academy. Weiterführend: Gehalt beim Jobwechsel verhandeln · Jobangebot ablehnen: professionell absagen, ohne Türen zu schließen

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt.

Teilen: