Gehaltsverhandlung für Frauen ist kein eigenes Regelwerk, aber ein Thema mit eigener Ausgangslage: 41 % der Frauen in Deutschland haben ihr Gehalt noch nie verhandelt, bei Männern sind es 35 %. Gleichzeitig verdienten Frauen 2025 pro Stunde im Schnitt 16 % weniger. Wer gut vorbereitet verhandelt, kann an diesem Abstand selbst etwas ändern, Schritt für Schritt.

Was die Zahlen tatsächlich zeigen

Eine repräsentative Befragung von über 2.000 Personen in Deutschland fand: 41 % der Frauen und 35 % der Männer haben in ihrem Berufsleben noch nie über ihr Gehalt verhandelt (WeltSparen/YouGov, 2021). Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist kleiner, als viele erwarten, aber er ist da, und er kommt zu einer ohnehin hohen Quote an Nicht-Verhandelnden hinzu.

Beim Verdienst selbst ist der Abstand deutlicher. Laut Statistischem Bundesamt lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen 2025 bei 22,81 Euro, der von Männern bei 27,05 Euro:

Kennzahl 2025Wert
Gender Pay Gap, unbereinigt16 %
Gender Pay Gap, bereinigt (vergleichbare Tätigkeit, Qualifikation, Erwerbsbiografie)6 %
Westdeutschland / Ostdeutschland (unbereinigt)17 % / 5 %
Privatwirtschaft / öffentlicher Dienst (unbereinigt)17 % / 4 %

Der unbereinigte Wert erklärt sich zu einem großen Teil durch Teilzeit, Branchen und Berufe. Der bereinigte Abstand von 6 % zeigt, was übrig bleibt, wenn diese Unterschiede herausgerechnet sind. Genau an dieser Stelle setzt eine gute Verhandlung an.

Warum viele Frauen seltener verhandeln

In Beratungsgesprächen zeigt sich immer wieder ein ähnliches Muster: weniger fehlende Fähigkeit als die Sorge, dabei unangemessen oder fordernd zu wirken. Dazu kommt oft eine zu vage Vorstellung vom eigenen Marktwert. „Ich weiß nicht genau, was ich wert bin“ hören wir häufiger von Frauen als von Männern. Beides sind keine Charaktereigenschaften, sondern Muster, die sich mit klarer Vorbereitung ändern lassen.

Dein nächster Gehaltsschritt mit Plan. Die Gehaltssprung-Strategie: 3 Videos zur Vorbereitung und ein persönlicher 1:1-Call mit Oliver Grytzmann für deinen nächsten Gehaltsschritt, für 197 €.

Gehaltssprung-Strategie ansehen

Was fehlende Verhandlung langfristig kostet

Eine ausgelassene Verhandlung wirkt nicht nur einmal, sondern zieht sich durch jede folgende Gehaltsrunde, weil Erhöhungen meist prozentual auf das bestehende Gehalt berechnet werden. Ein Rechenbeispiel: Wer beim Einstieg 2.000 Euro statt 2.200 Euro im Monat vereinbart, verhandelt bei jeder späteren Erhöhung von einer niedrigeren Basis aus. Der Effekt summiert sich über Jahre und beeinflusst auch die spätere Rente. Wie stark, kannst du mit dem Gehaltserhöhung-Rechner selbst durchspielen.

Vorbereitung in vier Schritten

Marktwert kennen Erfolge mit Zahlen belegen Zielzahl und Schmerz- grenze festlegen Ersten Satz laut üben, Einwände durchspielen
Vorbereitung in vier Schritten. Wer alle vier erledigt hat, geht mit einer Zahl ins Gespräch statt mit einer Hoffnung.

Der erste Schritt ist der wichtigste: dein Marktwert. Ohne ihn verhandelst du gegen dein eigenes Bauchgefühl. Wie du ihn mit mehreren Quellen ermittelst, steht in Marktwert ermitteln. Danach sammelst du Belege für deine Erfolge, legst eine Zielzahl und eine Schmerzgrenze fest und übst den ersten Satz laut. Gesprochene Sätze fühlen sich beim ersten Mal ungewohnt an, beim dritten Mal nicht mehr.

8 Tipps für deine Gehaltsverhandlung

  1. Mit einer konkreten Zielzahl ins Gespräch gehen. Im Gespräch selbst wird eine Spanne fast immer am unteren Ende verstanden. In der Bewerbung ist eine enge Spanne dagegen in Ordnung, siehe Gehaltsvorstellung angeben.
  2. Erfolge mit Zahlen belegen. Projekte, Einsparungen, Kunden, Verantwortung.
  3. Die Zahl zuerst nennen, wenn du gut vorbereitet bist. Wer zuerst eine begründete Zahl nennt, setzt den Rahmen.
  4. Nach der Zahl schweigen. Pausen aushalten, nicht sofort relativieren.
  5. Nicht entschuldigen. Sätze wie „Ich weiß, das ist viel“ schwächen jede Forderung.
  6. Einwände vorher durchspielen. Wer die Antwort auf „Das Budget ist ausgeschöpft“ kennt, bleibt ruhig.
  7. Das ganze Paket verhandeln. Arbeitszeit, Homeoffice, Weiterbildung, Bonus und nächste Entwicklungsschritte gehören dazu.
  8. Ergebnis schriftlich festhalten. Was zugesagt ist, gehört in eine E-Mail oder in den Vertrag.

Formulierungen für das Gespräch

Die folgenden Sätze sind Muster. Passe sie an deine Zahl und deine Situation an:

SituationMusterformulierung
Einstieg ins Gehaltsgespräch„Ich möchte heute über mein Gehalt sprechen. Ich habe mir dazu die Entwicklung des letzten Jahres und den Markt angesehen.“
Zahl nennen„Mit Blick auf die neuen Aufgaben im Projekt und den Markt für vergleichbare Rollen halte ich X Euro brutto im Jahr für angemessen.“
Begründen„Seit dem Frühjahr verantworte ich zusätzlich die Abstimmung mit zwei Kunden. Das war vorher Aufgabe der Teamleitung.“
Nachfragen statt nachgeben„Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, damit wir bei dieser Zahl ankommen?“
Abschluss sichern„Können wir das Ergebnis und den nächsten Termin kurz schriftlich festhalten?“

Typische Einwände und deine Antwort

  • „Das Budget ist ausgeschöpft.“ Frag, wann das nächste Budget geplant wird, und vereinbare einen konkreten Termin samt Ziel.
  • „Sie sind doch erst kurz in dieser Rolle.“ Verweise auf deine Ergebnisse, nicht auf die Dauer. Gehalt folgt Verantwortung, nicht Kalenderjahren.
  • „Mehr bekommen die anderen im Team auch nicht.“ Bleib bei deinem Beitrag und deinem Marktwert. Vergleiche mit Kolleginnen und Kollegen bringen dich selten weiter.
  • „Wir zahlen nach Tarif.“ Prüfe Eingruppierung, Stufe und Zulagen. Auch im Tarif gibt es oft Spielraum bei der Einstufung.

Weitere Antworten auf Einwände findest du in Gehaltserhöhung: Argumente, Prozente, Leitfaden.

Teilzeit und Elternzeit

Teilzeit ist einer der Gründe für den unbereinigten Abstand. Das heißt nicht, dass du in Teilzeit weniger verhandeln solltest. Verhandle den Stundenlohn, nicht den Monatsbetrag, und halte fest, wie sich dein Gehalt entwickelt, wenn du die Stunden später wieder erhöhst. Vor der Rückkehr aus der Elternzeit lohnt sich ein Gespräch über Aufgaben und Gehalt, bevor alles stillschweigend so weiterläuft wie vorher. Mehr dazu in Wiedereinstieg nach der Elternzeit.

Deine Rechte: Auskunft und Lohntransparenz

Schon heute hast du nach dem Entgelttransparenzgesetz einen Auskunftsanspruch: Du kannst in Textform erfragen, was Beschäftigte des anderen Geschlechts für eine gleiche oder gleichwertige Tätigkeit verdienen, dazu bis zu zwei einzelne Entgeltbestandteile. Der Anspruch gilt in Betrieben mit in der Regel mehr als 200 Beschäftigten beim selben Arbeitgeber. Eine neue Anfrage ist in der Regel erst nach zwei Jahren möglich.

Mehr Transparenz bringt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Sie sieht unter anderem vor, dass Bewerberinnen und Bewerber vorab Informationen über das Einstiegsentgelt oder die Entgeltspanne bekommen, dass Arbeitgeber nicht mehr nach dem bisherigen Gehalt fragen und dass Beschäftigte Auskunft über durchschnittliche Entgelte vergleichbarer Tätigkeiten erhalten. Die Frist zur Umsetzung endete am 7. Juni 2026. Nach Angaben der Bundesregierung lag im Juli 2026 noch kein deutscher Gesetzentwurf vor. Bis dahin gilt das bisherige Entgelttransparenzgesetz. Was die Richtlinie für Bewerbung und Gehalt konkret bedeutet, erklärt Entgelttransparenzrichtlinie: Was sie Arbeitnehmern bringt. Das ist keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen zur Gehaltsverhandlung für Frauen

Verhandeln Frauen wirklich seltener als Männer?

Laut einer repräsentativen Befragung haben 41 % der Frauen und 35 % der Männer in Deutschland ihr Gehalt noch nie verhandelt. Der Unterschied ist real, aber kleiner als oft dargestellt. Das größere Problem ist, dass beide Zahlen hoch sind.

Wie groß ist der Gender Pay Gap in Deutschland?

Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen 2025 pro Stunde im Schnitt 16 % weniger als Männer (22,81 Euro gegenüber 27,05 Euro brutto). Bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie bleibt ein bereinigter Abstand von 6 %.

Welche Tipps gibt es für Frauen bei Gehaltsverhandlungen?

Die wichtigsten: den eigenen Marktwert mit mehreren Quellen ermitteln, Erfolge mit Zahlen belegen, eine konkrete Zielzahl festlegen und laut üben, Einwände vorher durchspielen und neben dem Fixgehalt auch Arbeitszeit, Weiterbildung und Entwicklung verhandeln.

Was antworte ich auf die Frage nach der Gehaltsvorstellung?

Eine klare Zahl als Bruttojahresgehalt mit einem kurzen Satz zur Begründung, zum Beispiel: Für diese Rolle mit Projektverantwortung liegt meine Vorstellung bei X Euro brutto im Jahr. Keine Entschuldigung, keine lange Erklärung.

Warum verhandeln viele Frauen seltener?

Häufig genannte Gründe sind die Sorge vor negativer Wahrnehmung, weniger frühe Übung im Verhandeln und eine unklare Vorstellung vom eigenen Marktwert, nicht fehlendes Können.

Was kostet es langfristig, nie zu verhandeln?

Jede ausgelassene Verhandlung wirkt nicht nur auf das aktuelle Gehalt, sondern auf jede folgende Gehaltsrunde und oft auch auf die spätere Rente, weil Erhöhungen meist prozentual berechnet werden.

Wie starte ich, wenn ich noch nie verhandelt habe?

Mit einer realistischen Marktwert-Einschätzung, einer klaren Zielzahl und der Übung, den ersten Satz laut auszusprechen, bevor das eigentliche Gespräch stattfindet.

Quellen

Keine Jobgarantie. Ergebnisse hängen von deiner Umsetzung ab. Autor: Rolf Bleisteiner (Mr. Lebenslauf), Inhaber expert-careers (Personalberatung für Maschinenbau und industrielle Spitzentechnologie seit 2018) und Mitinhaber expert-academy. Weiterführend: Gehaltsverhandlung: Tipps über den Jobwechsel hinaus · Gehalt beim Jobwechsel verhandeln · Gehalt bei der ersten Führungsposition verhandeln

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt.

Teilen: